Im CD-Regal: „Café del Mar – Volumen Doce“

„Café del Mar entstand um den Sonnenuntergang mit Musik zu untermalen“ – so bewerben dessen Macher ihr gleichnamiges Projekt, ein Gesamtkonzept, das Kaffeegenuss, moderne Kunst, Club- und Urlaubsfeeling mit Chillout-Musik vereint. Klingt gut, aber wo stehen die Spanier heute?

Café del Mar - Volumen Doce

Sant Antoni de Portmany ist die zweitgrößte Stadt Ibizas und liegt an der Westküste der Balearen-Insel. Ihre Bucht, genannt Cala de Sant Antoni, beherbergt den größten Hafen von Ibiza. Am 20. Juni 1980 wurde dort am Meeresufer das Café del Mar eröffnet. Das stylische Lokal mit seinen ruhigen Sounds, die völlig abseits jeglichen Mainstream-Chart-Geblubbers liegen, fand schnell seine Anhänger und erlangte durch die gleichnamigen House- und Chillout-Compilations seit 1994 regelrechten Kultstatus.
1998 gingen die Namensrechte an das neu gegründete Plattenlabel Café del Mar Music über. Mit den Jahren rückte die Kommerzialisierung der Marke Café del Mar in den Vordergrund, die Musik zunehmend in den Hintergrund. Kaum ein Gebrauchsgegenstand oder Kleidungsstück, das nicht bereits auch im „Café del Mar“ oder kurz „C del M“-Look zu haben ist.
Zum 25. Geburtstag gibts nun den zwölften Sampler der Serie, „Café del Mar – Volumen Doce“. Nach José Padilla und Bruno Lepetre ist erstmals Ramon Guiral für das Tracklisting verantwortlich und unterzieht den Sampler einer gewissen – inzwischen mehr als notwendigen – Frische-Kur. Diese gleicht allerdings eher einer frischen Brise als einem Frischesturm.
Die Liedauswahl wurde zwar verfeinert, der Sound bleibt dabei aber hinter den Ansprüchen, die Café del Mar an sich selbst stellt, zurück. Auf zwei CDs wird Musik zum Chillen dargeboten, die in ihrer Art nur noch bedingt an das erinnert, was die spanische Ambient-Musik ursprünglich ausmachte. Es fehlen Spitzen, Gegensätze, Besonderheiten. Alles versinkt in einer fast schon belanglosen Eintönigkeit. Der Zuhörer fühlt sich unweigerlich an Kaufhaus- oder Fahrstuhlmusik erinnert. Alles nett, alles schön, aber Musik zum Weghören.
28 Titel hat „Volumen Doce“. Darunter sind auch dieses Mal immerhin ein paar Leckerbissen wie der Opener der zweiten CD, „Someone like you“ von Blank & Jones feat. Mike Francis. Kleine Akzente setzen auch „Eso es“ von Viggo, „Bailando va“ von La Caina sowie „Save a little prayer“ von Stehen Thottrup feat. Annette Berg. Akzente aber keine Höhepunkte.
Ein Niveauverlust, der vermeidbar gewesen wäre. Wird dieser Level zur neuen Leitlinie erkoren, bleibt eines allerdings unvermeidbar: Café del Mar untermalt mit seinen Klängen nicht länger den wunderschönen spanischen Sonnenuntergang, sondern es besingt nach und nach seinen eigenen musikalischen Abgang. Ein weiterer Sieg für die Vermarktungs- und Geldmaschinerie.

  • Veröffentlichung:
    16.09.2005
  • Medium:
    Magazin „FreiZeit“ (Beilage der Tageszeitungen „Schwäbische Post“ + „Gmünder Tagespost“)
  • Copyright
    by Heiko Buczinski

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