Besonders dick aufgetragen

Harry Meyers Ausstellung „Land und Kopf“ in der SüdWestGalerie in Hüttlingen-Niederalfingen

Ist er ein malender Plastiker oder plastischer Maler? Harry Meyer führt die pastose Farbmalerei ad absurdum. Zentimeterdick türmen sich die Ölfarbschichten in seinen Bildern auf. Die Motive springen den Betrachter dadurch förmlich an. Entfremdete Wirklichkeit mit weltlichem Bezug in der SüdWestGalerie in Hüttlingen-Niederalfingen.

Auf einer Linie: Die Bilderserie „Köpf“ und die Holz-Ölfarben-Plastik „Kopf“ von Harry Meyer.

Auf einer Linie: Die Bilderserie „Köpf“ und die Holz-Ölfarben-Plastik „Kopf“ von Harry Meyer.

„So manch einer mag sich fragen ‚Wie lange macht die Farbe das noch mit?“, deutet Dr. Sabine Heilig die erstaunten Mienen der Besucher bei der Vernissage zur Ausstellung „Land und Kopf“. Meyer modelliert die Ölfarben auf der Leinwand, formt sie zu bunten Wellen, Schneckenhäusern, Wolkenformationen. Immer wieder holt er während des Malens untere Schichten erneut hervor. „Dadurch entsteht eine gewisse Marmorierung“, erläutert Heilig. Tief ragen die Spitzen gezupfter Farbmischungen in den Raum hinein, scheinen sich dem Betrachter entgegen zu werfen. Der Plastik „Kopf“ ist diese Flucht vor der sie fesselnden Leinwand gelungen. Leicht verschoben, aber in voller Plastizität steht besagter Kopf auf seinem weißen Sockel – vor der Wand. Meyer arbeitet mit großen Pinseln – auch bei kleinformatigen Motiven. Eine hohe Kunst. Die Farbmischungen wirken dabei stets harmonisch. Durch Lichteinfall entstehen immer neue Farberlebnisse, glänzende Reflexionen, Schatten.
„Meyers Malerei ist Farbe und Form und zwar gegenständlich erfahrbare farbige Form“, erläutert die Kuratorin der Galerie. Es gehe Meyer nicht um die Darstellung von Wirklichkeit. Der Künstler lehnt gelassen an der Wand und nickt zustimmend. Aber die Bilder seien mit der empirischen Erfahrung der Betrachter natürlich deutbar, so Heilig. Meyer verfolge einen philosophischen Ansatz. „Es geht ihm um die Sichtbarmachung der Idee des Lebens selbst“.
Die Naturverbundenheit und Weisheit seines Großvaters hätten als Ideenträger fungiert. Meyer lege Wert darauf, dass er keine Landschaften, sondern Natur male. Mit seinen Porträts kehrt er das Innenleben der Menschen nach außen, zieht ihnen quasi die Haut ab. Eine gewisse Analogie zu Gunter von Hagens „Körperwelten“ ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Heilig: „Er hat die Verinnerlichung des Motivs auf die Spitze getrieben“. Ob Köpfe oder Natur, ob auf metaphysischer Ebene oder nicht – Meyers Farbreliefs beeindrucken auch durch hohe Ausdrucksfähigkeit.

  • Veröffentlichung:
    27.03.2009
  • Medium:
    Kulturseite, “Schwäbische Post” + “Gmünder Tagespost”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski
Werbeanzeigen