Der Charme des Historischen

Das Essinger Dorfmuseum im Alten Rathaus nimmt langsam Gestalt an

Im Jahr 1700 wurde das Alte Rathaus in Essingen als „Wirtschaft zum Grünen Baum“ erstmals urkundlich erwähnt. Seit 20 Jahren wird das Gebäude in der Ortsmitte nur noch als Lager und Versammlungsort genutzt. Das soll sich nun ändern. Das historische Gebäude wird zum Dorfmuseum.

Horst Wormser, der Vorsitzende des Dorfmuseumsvereins Essingen, an der Schusternähmaschine des Schusters Kaspar Barth.

Horst Wormser, der Vorsitzende des Dorfmuseumsvereins Essingen, an der Schusternähmaschine des Schusters Kaspar Barth.

Was vor einem halben Jahr mit 27 Gründungsmitgliedern begann, hat sich munter entwickelt. Der Dorfmuseumsverein Essingen zählt inzwischen 82 Mitglieder und treibt die Umgestaltung des Alten Rathauses voran. „Vor vier Wochen wurde der Sanitärbereich des Gebäudes komplett neu eingerichtet“, erzählt Horst Wormser, Vorsitzender des Dorfmuseumsvereins. Schon am Ostermontag will der Verein seine neue Museumsstube eröffnen.
Auch die Ausstellungsräume nehmen langsam Gestalt an. Mit vielen Gerätschaften bestückt will der Verein eine alte Schusterei wieder zum Leben erwecken. Schusternähmaschinen, ein Bügeleisenofen, eine Werkbank. Dazwischen Werkzeug und viele kleine Utensilien, die zum Betrieb einer Schusterwerkstatt nötig waren. Wormser und sein Verein haben in mühsamer Kleinarbeit gesammelt, was sie finden konnten. Direkt neben der Schusterei gibt es einen alten Frisörsalon – eine Besonderheit, auf die der Verein stolz ist. „Wir werden das einzige Museum sein, das so einen Salon hat“, erklärt Horst Wormser.
Der dritte Raum thematisiert Krieg und Kriegsverbrechen, soll mahnen und erinnern. Im Erdgeschoss wurde zudem die alte Gefängniszelle restauriert. Als nächstes soll ein Raum für alle Heimatvertriebenen eingerichtet werden. Für die jüngeren Besucher plant der Verein einen Raum mit alten Puppenstuben und historischen Dampfmaschinen. Insgesamt ist Wormser die Mischung wichtig: „Es muss eine Vielfalt da sein“. Dafür ersteigert er auch mal das eine oder andere Relikt bei Internetauktionen.
Die Gemeinde stellt dem Verein das Alte Rathaus für das Museum kostenfrei zur Verfügung. Aktuell befinden sich noch ein paar Vereine wie zum Beispiel die Haugga Narra, der Musikverein oder der Liederkranz in dem Gebäude. Diese werden nun aber nacheinander umgesiedelt, erklärt Bürgermeister Wolfgang Hofer, der sich über die „Schaffer und Sammler“ sehr freut und jetzt schon hofft, „dass dem Museum nicht irgendwann der Platz ausgeht“. Die Ortsgeschichte von Essingen und Lauterburg müsse eine Bleibe haben, so Hofer.
Heidrun Heckmann, die Museumsbeauftragte des Ostalbkreises, hebt vor allem den lokalen Charakter des Museums hervor. Wichtig sei auch, dass das Museum von den Bürgern im Ort mit Leben gefüllt werde. „Hier bringen viele Köche erst die passende Würze an das Ganze“, meinte sie und nannte das Waldstetter Heimatmuseum als positives Beispiel. Mit einer eigenen Prägung werde sich das Museum dann auch gut in die Museumslandschaft im Landkreis einfügen.

  • Veröffentlichung:
    02.03.2009
  • Medium:
    Lokales, “Schwäbische Post”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski
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