Die raue römische Wirklichkeit

Die Limes-Cicerones begrüßen das antike römische Jahr und eröffnen die Führungssaison 2009

Die Sonne taucht den Waldabschnitt in mystisches Licht. Unzählige Füße stapfen durch den im Schatten liegenden Restschnee am Mahdholz. Weihrauchduft liegt in der Luft. Plötzlich ertönt von vorne ein Signalhorn. Einmal. Zweimal. „Calo Iuno Covella!“, ruft eine Stimme. Der Wald wird lichter, der Limesturm erkennbar. Vor ihm eine große Schar Schaulustiger. Mitten unter ihnen: Römer.

Mit dem Ruf nach Juno Covella läuteten die alten Römer vom Capitol aus ihre Monate ein. Am Limesturm oberhalb des Bucher Stausees feiern nun die Limes-Cicerones den altrömischen Neujahrsanfang nach – in antiken Gewändern, von der Toga bis zur römischen Rüstung. Quelle des Weihrauchs ist ein kleines Feuer, das die Cicerones für eine traditionelle Opfer- und Weihezeremonie entfacht haben.
Manfred Baumgärtner erläutert den Zuschauern die Entstehung des Kalenders. „Warum feiern wir heute Neujahr?“, fragt Baumgärtner und schiebt die Antwort gleich hinterher. Bei den Römern sei der Dezember der zehnte, der November der neunte, der Oktober der achte Monat gewesen. „Und so weiter“. Damit war der nach dem Kriegsgott Mars benannte Monat März der erste im Jahr, erklärt er. Es folgt das Opfer an die oberste Gottheit der Römer, Jupiter. Dazu werfen die Cicerones ein Stück Kuchen ins Feuer, gießen einen Schluck Wein nach, dass es nur so zischt.
Bernd Hofmann und Roland Gauermann teilen die Menschenansammlung in zwei Gruppen, führen sie durch den Turm, zu den Mauerresten, am Limes entlang. „Nun sind wir in der rauen Wirklichkeit der römischen Grenze“, sagt Gauermann und rückt demonstrativ seine Jacke zurecht. Kinder und Eltern lauschen nun gespannt den Ausführungen des Limes-Fachmanns, folgen ihm durch Holz und Schnee bis zum asphaltierten Parkplatz und zurück.
In voller Montur mit dem goldenen Helm auf dem Kopf, der langen Lanze und dem schützenden Schild in den Händen – das Schwert kampfbereit am Gürtel unterm Kettenhemd hängend –schreiten Manfred Baumgärtner und seine Römer zur feierlichen Feldzugeröffnung. Das Horn ertönt erneut. Ein Pergament wird ausgerollt.
„Wir erklären nun symbolisch Germanien und dem neuen Jahr den Krieg“, informieren die Cicerones und ziehen mit der Lanze einen Kreis in den leise knirschenden Schotter am Boden. „Der Kreis symbolisiert das Feindesland“, erklären sie. Mit frischen grünen Kräutern weihen die Römer ihre Lanze, fordern den Segen von Jupiter ein. Dann wird die Lanze mit Schwung in den Kreis geworfen, wo sie im feuchten Grund stecken bleibt. Es ist vollbracht, der Feldzug kann beginnen. „Ilicet!“, ruft der Kundgeber. „Es ist gestattet nun von dannen zu ziehen“.

  • Veröffentlichung:
    04.03.2009
  • Medium:
    Ostalb-Seite, “Schwäbische Post” + “Gmünder Tagespost”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski
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