Es ist, was es ist

Jazz Lights 2009 zu Gast auf Schloss Kapfenburg mit Betina Ignacio und Band

Es ist Unsinn sagt die Vernunft. Aussichtslos, lächerlich, leichtsinnig. Doch das Gefühl bleibt. Superlative werden der Brasilianerin nicht gerecht, klingen abgedroschen. Was Betina Ignacio so besonders macht, ist das, was sie ausstrahlt. Ein ungezügelter Optimismus, pure Lebensfreude, Exotik und Humor.

Betina Ignacio auf der Kapfenburg

Betina Ignacio auf der Kapfenburg

Es ist, was es ist – unwillkürlich kommt einem Erich Fried in den Sinn. Der Österreicher begeisterte im letzten Jahrzehnt seines Lebens mit einem der erfolgreichsten Lyrikbände der deutschen Nachkriegszeit – „Liebesgedichte“. Als ein solches kann das Gastspiel von Betina Ignacio samt Band im Trude-Eipperle-Rieger-Konzertsaal von Schloss Kapfenburg getrost bezeichnet werden.
Ein Dialog zwischen Herz und Verstand. Liebe zur Musik. Liebe zum Tanz. Liebe zu Brasilien. Und zu den Menschen – die kommt vor allem zum Ausdruck. „Stellt euch den Strand vor, hinter uns ist das Meer“, verführt Ignacio ihr Publikum, das ihr nur zu gerne ins sommerliche Brasilien, nach Rio de Janeiro oder zum bunten Karneval in Salvador do Bahia folgt. Brasil-Pop, Bossa Nova, Reggae, ein bisschen Café del Mar. Gespielt von Musikern, deren Enthusiasmus dafür sorgt, dass es letztlich – unterstützt von wiederholten Aufforderungen der Sängerin – keinen auf den Stühlen hält.
Es wird geklatscht, getanzt, gehüpft, mitgesungen. „Quem fala português aqui?“, erkundigt sich Ignacio nach den Sprachkenntnissen der Besucher. Schnell findet sich eine Gruppe Mitsänger für den nächsten Titel. Ignacios international besetzte Band verkörpert dieselbe Ausgelassenheit wie sie. Sebastian Motz am Piano, Franco Petrocca am Bass, der ebenfalls aus Brasilien stammende Percussionist Claudio Wilner.
Schon zu Beginn weiß Schlagzeuger Markus Schmidt den Takt vorzugeben. Wie ein Wilder hämmert er auf das Fell seiner Bongo-Trommel. Mit den Handflächen, mit Fäusten. Laut stampft er mit den Füßen auf den Boden. Betina Ignacio mischt sich unter die Zuschauer, beginnt plötzlich mitten unter ihnen zu singen. Es stimmt, was über ihre Stimme schon so oft gesagt und geschrieben wurde. Sie ähnelt der von Sade. Der weiche Klang ihres Portugiesisch verleiht ihr aber eine eigene Unverwechselbarkeit.
Humorvoll führt sie durch das Konzert, sucht den Dialog mit dem Publikum. „Hat jemand ein Streichholzschächtelchen?“, fragt sie. Das sei so schön passend als Percussion zur Bossa Nova. Immer wieder überlässt Ignacio der Band das Spielfeld, tanzt geschmeidig – mal mit, mal ohne High-Heels – über die Bühne. Ihre strahlend weißen Zähne funkeln, die kaffeebraune Haut lässt Wintergeplagte neidisch werden. Ihre Grübchen wirken bei jedem Lachen ansteckend. Und am Ende sind Herz und Verstand einig: Es ist, was es ist – sagt die Liebe.

  • Veröffentlichung:
    23.03.2009
  • Medium:
    Kulturseite, “Schwäbische Post” + “Gmünder Tagespost”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski