Flott unterwegs mit der Zunge

„Hämmerle“ in Abtsgmünd

Er kennt seine Pappenheimer. Und er zerpflückt sie – systematisch. Bernd Kohlhepp ist Hämmerle. Ein anstrengender Nachbar. Ein schrulliger Schwabe. Ein begnadeter Sänger. Elvis Presley hat es ihm angetan. Mit schwäbischen Texten neu angerichtet, trällert Hämmerle die Melodien des King. Ein Erlebnis, das vor allem die Besucher in den ersten drei Reihen der Abtsgmünder Zehntscheuer so schnell nicht vergessen werden.

Bernd Kohlhepp ist das „Hämmerle“.

Bernd Kohlhepp ist das „Hämmerle“.

Kultkomiker Bernd Kohlhepp kennt keine Tabus. Schon gar nicht, wenn es um das Privatleben seiner Zuschauer geht. Immer tiefer gräbt er als Parade-Schwabe „Hämmerle“ in den Biografien der Besucher in den vorderen Reihen, entlockt ihnen unverblümt so manches Geheimnis. Bissig, ja scharfzüngig geht er mit ihnen ins Gericht. Brigitte, Traudel, Renate, Ursula, Markus, Guido – alle müssen dran glauben. „Wer setzt sich bei so einem Konzert auch freiwillig in die erste Reihe?“, fragt er hinterlistig. Selbst Abtsgmünds Bürgermeister Georg Ruf entkommt den Hämmerle’schen Angriffssalven nur bedingt. Vorzeitiges Verlassen des Saals wird von diesem nämlich mit einer geballten Ladung Sarkasmus geahndet. „Er hat gesagt, er würde zwischendrin ab und zu Sport machen; vielleicht hat er seine Bestimmung jetzt gefunden“, lästert Hämmerle dem entfleuchten Schultes hinterher.
Doch der schwäbische Rock’n’Roller kann auch anders. Singen nämlich. Am liebsten Elvis. „Der Bempflinger König trifft den King aus Memphis“, beschreibt er seine schwäbischen Adaptionen bekannter Elvis-Titel. So wird aus „Love me tender“ ein einfaches „Seifenspender“ und „Are you lonesome tonight“ mutiert zu „Ich bin langsam zurzeit“ – einer Hommage an den Ampelblitzer, dem er seinen Führerscheinentzug verdankt. Natürlich verkörpert der Gesichtsakrobat Kohlhepp auch wieder die rüstige Rentnerin Frau Schwertfeger. Wie selbstverständlich legt er sich auch in Abtsgmünd wieder mit seinem Dauerrivalen Hambacher an.
Und ganz nebenbei löst er noch eines der größten Rätsel der Menschheitsgeschichte. Hämmerle weiß ganz genau, warum Frauen immer zu zweit aufs Klo gehen. Es liegt an der Lichtschranke für Wasserhähne. „Die ist oft einfach zu weit weg vom Waschbecken. Da braucht’s zwei zu“.

  • Veröffentlichung:
    03.04.2009
  • Medium:
    Kulturseite, “Schwäbische Post” + “Gmünder Tagespost”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski
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