Große Sause in Aalens „Wohnzimmern“

Das 9. Aalener Kneipenfestival lockt mit klasse Bands das Partyvolk wieder in Scharen in die Innenstadt

Die Tür zur Havannabar geht auf. „I need a miracle“ hallt es laut durch die Helferstraße. DJ Daniel D’Amour steht hinter den Plattentellern. „So lernt man die ganzen Bars endlich mal kennen“, freut sich die junge Frau, die gerade das Lokal verlässt. Ihre Begleiter nicken zustimmend. „Wohin gehen wir jetzt?“, fragt einer. „Im Frapé gibt’s Funk“, sagt sie. Schnell sind sich die Partygänger einig: „Auf geht’s zur nächsten Runde!“.

Vor dem Infobus auf dem Marktplatz hat sich eine kleine Schlange gebildet. Einlassbändchen für die Kneipen werden verkauft, Programmhefte verteilt. Am Eingang zum „Podium“ wird kontrolliert. „Habt ihr schon einen Bändel?“. Brav zeigen alle ihre Handgelenke. Im gestreiften T-Shirt und mit einem schwarzen Hut auf dem Kopf setzt Saxofonist Josch von „The Beach Bums“ zum Solo an. Ska und Reggae mit deutschen Texten. Dazu ein bisschen Polka.
Ein paar Meter weiter im „Samocca“ geht es ruhig zu. „Blue Print“ sorgen hier für chillige Stimmung. Der Sekundenzeiger der Schattenuhr an der Wand bewegt sich langsam im Takt zum Bluesrock. Nebenan im „Enchilada“ wird derweil gefeiert. Ein angehender Ehemann auf Junggesellenabschied wird auf seinem gelben T-Shirt als „Held des Tages“ betitelt. Seine Männerrunde hat ihn damit beauftragt, die Band dazu zu bringen, einen Schlager für ihn zu spielen. Die zeigt sich spontan und stimmt für den Bräutigam – sehr zur Freude des mitsingenden Publikums – Olaf Hennings „Komm hol das Lasso raus“ an. Langsam wird es voll im „Enchilada“. Das ist es kurz vor 22 Uhr auch im „Irish Pub O’Brian“. Coverrock steht hier auf dem Programm. Pinks „Who knew“ schmettert durch den Raum. Rauchschwaden wabern hoch zur Galerie. Eine Gruppe Abiturientinnen feiert Prüfungshalbzeit. „Da lernt es sich morgen viel leichter“, sagen sie und lachen. Kurz vor halb elf ist es auch in der Helferstraße brechend voll. Im „Quattro“ stauen sich die Besucher bereits auf dem Gang im Obergeschoss. Die nehmen es mit Humor. „Ist das ein Wohnzimmer da hinten?“, fragt einer und schmunzelt. Die beiden Gitarristen von „Acoustasonix“ sind zumindest zu hören.
Nicht weniger voll ist es im „Hobel“. „Jetzt geht nichts mehr, hier ist Schluss“, heißt es bald auf der Treppe nach oben, wo die „Nikola Band“ alternativen Pop-rock kredenzt. Wie lebendige Schaufensterpuppen sehen die Musiker von „e-werk“ im Reichsstädter Café aus. Das Quartett begeistert mit feinem Bar Jazz. „Hallo Timo!“, begrüßt Saxofonist Norbert Botschek den eintretenden Timo Schaal. Gegenüber im „Rambazamba“ herrscht Platznot. Während „P-Lounge“-Sängerin Bridget Jaqueline Huguet den Besuchern kräftig einheizt, bahn sich Martin Dannenmann mit einer Getränkekiste vor dem Bauch den Weg zur Theke. Ein gemütliches Intermezzo bietet sich bei Frau Prof. Dr. Dr. S. K. Hentze und „Spielführer“ Stefan Frank im „Venezia“. Minimalistisch in der Ausstattung beweist Hentze musikalisches Geschick und verausgabt sich auf gewohnt ironische Art an Klarinette und Keyboard. Als „Geheimtipp“ vor den übrigen Lokalen gehandelt, erweisen sich „La Rolls“ im „Rezeptfrei“ als eine der interessantesten Entdeckungen des Abends. Um Mitternacht erreicht die Stimmung im „Podium“ ihren Höhepunkt. Die MCs vom Kingston Guerilla Soundsystem heizen den Besuchermassen kräftig ein. „Wer ist heute aus Schwäbisch Gmünd hier?“, fragen die DJs durchs Mikro. „Wir!“, schreit ihnen eine Gruppe Mädels entgegen. „Wer geht da aufs Hans-Baldung-Gymnasium?“, lautet die nächste Frage. Erstaunt antworten die Mädchen wieder: „Wir!“. „Gut, und wer von da hat seine Schülermonatskarte hier verloren? Der kann sie sich hier bei uns abholen“.

  • Veröffentlichung:
    30.03.2009
  • Medium:
    Lokales, “Schwäbische Post”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski
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