Poetisches Kreativ-Epizentrum

Matthias Holtmann präsentiert die „SWR1 Pop Lyrik in Concert“ im Café Magazine in Aalen

Popstars singen von weißen Kindern, bemängeln die Unterdrückung der Männer durch Frauen, üben Gesellschaftskritik. Damit jeder die Inhalte ihrer Songs verstehen kann, gibt es seit elf Jahren einen besonderen Übersetzungsdienst im Radio: die „SWR1 Pop Lyrik“. Im „Magazine“ brachte Moderator Matthias Holtmann sie nun gemeinsam mit Musikern und Schauspielern auf die Bühne.

„Es ist Viertel vor drei in der Früh. Joe der Barkeeper und ich sind die Einzigen, die noch in der Bar sind“, entführt der Schauspieler Jochen Stöckle die Besucher im Magazine auf eine poetische Zeitreise durch die Musik der letzten gut 60 Jahre.
„Mach einfach noch zwei Drinks“, fährt er fort. „Einen für meine Verflossene – und einen für die Straße“. Es sind Zeilen wie diese, die die Zuhörer begeistern. Fremdsprachige Liedtexte verdeutscht. Der Titel um den (liebes-) trunkenen Kneipengast und Joe den Barkeeper stammt aus dem Jahr 1947 – gesungen von keinem Geringeren als Frank Sinatra.
Wechsel am Mikrofon. Alexander Kraus betritt die Bühnenbretter. Auf den gesprochenen deutschen Text folgt nun die musikalische Darbietung auf Englisch: „One for my baby – one for the road“. Dann übernimmt der Vater der Pop-Lyrik das Zepter. Gewohnt spaßig führt Matthias Holtmann durch die Show – sprechend, schauspielernd, ja, sogar singend. Schauspielerin Simone von Racknitz, Sängerin Britta Medeiros, Pianist Peter Grabinger sowie das Trio „Acoustic Groove“ (Andreas Franzmann, Patrick Schwefel und Winfried Magg) begleiten ihn durch das weitere Programm.
Wie an einem Zeitstrahl hangeln sie sich gemeinsam entlang – von Bob Dylan („Think twice“) über Bryan Adams („Summer of ‘69“) bis zu Amy Winehouse („Rehab“). Auch eine Country-Version von Kid Rocks „All summer long“ gehört zum Repertoire. „Selbst die, die eine Sprache gut sprechen, kennen den Inhalt ihrer Lieder meist nicht“, erklärt Holtmann den Beweggrund für das poetische Übersetzen von Radio-Hits.
Wer kennt schon die Legende vom Kind des Mondes, dem „Hijo de la luna“ (gesungen in der Version von Mecano)? Oder wer wusste um die tieftraurige Bedeutung von Bobbie Gentrys „Ode to Billie Joe“? Oft sind es nicht nur schöne Melodien, die ein Lied ausmachen. Es sind auch die Geschichten, die es erzählt. Und dass sie sich perfekt aufs Erzählen verstehen, haben Matthias Holtmann und seine acht Begleiter bewiesen. Donnernder Applaus, trampelnde Füße und stehende Ovationen sind ein unmissverständliches Indiz.

  • Veröffentlichung:
    21.04.2009
  • Medium:
    Lokales, “Schwäbische Post”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski
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