Wenn Klangkünstler basteln

„nachtlüx“ präsentieren ihre CD „Nach Norden“ in Aalen und Schwäbisch Gmünd

Eines ist klar: „nachtlüx“ ist keine Live-Band im üblichen Sinn. Das Ensemble lebt nicht von der Interaktion mit dem Publikum, sondern findet sein Glück darin, glückliche Zuhörer zu sehen, die von seiner Musik gefesselt, ja verzaubert werden. Eine studioreife Leistung in die Öffentlichkeit getragen – die CD-Release-Konzerte von „nachtlüx“ im Kulturcafé Rambazamba in Aalen und im Café Spielplatz in Schwäbisch Gmünd.

„nachtlüx“ sind Klangkünstler und Produzent Venezian sowie Sängerin Lea W. Frey. Ein Zusammenspiel aus raumgreifenden Klängen und einer unglaublich klaren Stimme. Eine Musik, die nur schwer zu fassen, zu beschreiben ist. Ist es Muzak? Nein. Atmosphärischer Live Ambient? Vielleicht.
Es dominieren sanfte, lang gezogene und warme Töne. Räumliche Effekte, Klanglandschaften, Geräusche aus der Natur. Jazzige Elemente und dezent angedeuteter Poprock mischen sich darunter. Und immer wieder diese Stimme.
„Nach Norden“ heißt ihr Album. „Wohin zieht es uns?“, singt Lea W. Frey. Deutsche Texte. Ruhig, lasziv, fast meditativ vorgetragen. Feine Gitarrenklänge (Peter Meyer) schmuggeln sich darunter. Angenehm soft streichelt Raphael Becker-Foss sein Schlagzeug. Auch der Bass (Bernhard Meyer) fügt sich wunderbar ins Gesamtgebilde ein.
Manches erinnert ans Musikprojekt Schiller. Und jedes Mal, wenn sich der Zuhörer sicher ist, Parallelitäten zu erkennen, überzeugt ihn „nachtlüx“ doch wieder vom Gegenteil, wird plötzlich laut, rockig, schnell. Bis Lea W. Freys Stimme die Musik wieder einfängt, sie zügelt.
Venezian spielt an seinen Reglern, streicht über die Tasten seines Rhodes, wischt sich das dunkle Haar aus dem Gesicht. Mit geschlossenen Augen steht Lea W. Frey auf dem Podest, unterstreicht mit seichten Handbewegungen ihren Gesang, umfasst dann wieder das Mikrofon, berührt den Mikrofonständer. Ganz zärtlich, nur mit den Fingerspitzen. „Wir sind so fern, Körper treffen sich im Universum, die Gedanken Hand in Hand in Hand . . .“ Nach Norden lotst ihre CD. Weg vom Alltag zieht ihre Musik die Besucher.
In Lea W. Freys Stimme verliert man sich wie in ihren Kompositionen. Rauchig, flüsternd, hoch und tief. Und egal, welchen Titel die Band anstimmt, Freys Stimme ist stets ab dem ersten Augenblick voll da. Schön und klar. „nachtlüx“ sehen ihre Musik als Gesamtkunstwerk, arbeiten kontinuierlich daran, begreifen ihr Werk als sich stetig verändernden Prozess. Musik als Kunstobjekt. Nur das Ganze zählt. Nur aufs Ganze kommt es an. Und so verbreiten sie Gänsehautstimmung auch bei gecoverten Titeln wie Karats „Der blaue Planet“.
Am Ende geben „nachtlüx“ den Besuchern als besinnlichen Abschiedsgruß ihr „Schlaflied“ mit auf den Weg. Und Lea W. Frey philosophiert: „Mach dich auf in dein eigenes Land – und was draus wird, das liegt an dir“.

  • Veröffentlichung:
    02.04.2009
  • Medium:
    Kulturseite, “Schwäbische Post” + “Gmünder Tagespost”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski