Wenn Musik zur Religion wird

Marshall & Alexander gastierten mit ihren meditativen „Götterfunken“ in der Aalener evangelischen Stadtkirche

Ja, er ist der Sohn von Tony Marshall und ja, das sieht man. Noch dazu macht auch er Musik. Allerdings keinen Schlager. Marc Marshall ist studierter Bariton. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund, dem Tenor Jay Alexander, tourt er seit zwei Jahren durch Deutschlands Kirchen. Geistlich-meditativ besingen sie dabei „Die Top 10 des Himmels“. So auch in der evangelischen Stadtkirche.

„Wir spüren, dass Musik auch Religion sein kann“, sagt Marc Marshall und lädt ein zum „Abend mit geistlicher Musik“. Seit über zehn Jahren musizieren Marshall & Alexander nun gemeinsam. Mit der Konzertreihe „Götterfunken“ bieten sie der sakralen Musik eine klassische Plattform, nutzen dafür gekonnt Kirchenschiffe als ehrwürdigen, geistlichen Rahmen. In der Aalener Stadtkirche verbinden sie ihren Auftritt mit einer kleinen Premiere.
Der Engländer Richard Whilds von der Bayerischen Staatsoper in München, der die Arien, Kantaten und Choräle des Konzerts eigens für Marshall & Alexander instrumentiert hat, gibt sein Live-Debüt mit dem Ensemble. Außerdem mit dabei: die Musiker Klaus Jäckle (Gitarre, Laute) und Frank Lauber (Flöte, Klarinetten). Das helle Licht erlischt. Dunkelheit, Stille. Rot leuchtende Strahler färben die Szenerie ein, wirken beruhigend. Das Duo tritt auf, geht andächtig in Stellung. Kerzen brennen hinter ihnen. Marshall & Alexander beginnen zu singen: „Dank sei dir, Herr“, ein Georg Friedrich Händel zugeschriebenes Chorwerk. Schnell erweist sich die Akustik des Kirchenbaus als ideal, trägt den feinen Klang der zwei Stimmen auch bis zu den hinteren Sitzbänken.
Meditative Schwingungen breiten sich aus. Geistliche Musik hat die Menschen über viele Jahrhunderte hinweg berührt. Sie tut es noch immer. Ein Wechselspiel aus reiner Instrumentalmusik und Gesang nimmt seinen Lauf. Musiker und Sänger agieren gleichzeitig, alleine, gönnen sich gegenseitig wohl akzentuierte Pausen. „Ombra mai fu (Largo)“ aus Händels „Xerxes“, verschiedene Versionen des „Ave Maria“ (unter anderem von Johann Sebastian Bach und Franz Schubert), die Arie „Dann werden die Gerechten leuchten“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy als Tenorsolo – das Repertoire der Sänger umfasst schwerpunktmäßig die geistliche Musik des Christentums.
Dass ihre musikalische Religion jedoch auch Weltoffenheit widerspiegelt, zeigen Marshall & Alexander zu Beginn der zweiten Konzerthälfte. Mit Gesängen aus dem Buddhismus, Hinduismus, dem Judentum und dem Islam spannen sie Bogen der geistlichen Musik noch weiter. Belohnt werden sie letztlich mit stehenden Ovationen.
Mit dem „Abendsegen“ von Engelbert Humperdinck und einer neu bearbeiteten Version der „Ode an die Freude“ aus Ludwig van Beethovens neunter Sinfonie als Zugabe verabschieden sich Marshall & Alexander. Treffender Titel der Beethoven-Bearbeitung: „Götterfunken“.

  • Veröffentlichung:
    21.03.2009
  • Medium:
    Lokales, “Schwäbische Post”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski