Mantel gewinnt sein Heimspiel

Ganz allein daheim: Ernst Mantel wandelt in der Abtsgmünder Zehntscheuer gekonnt auf Solopfaden

Wer kennt dieses Gefühl nicht? Die Woche ist vorüber, die Arbeit war mal wieder stressig und auf großes Weggehen hat man keine Lust mehr. Lieber ein gemütlicher Fußball-Fernsehabend auf dem heimischen Sofa. Gerne mit ein paar Freunden. Das muss sich auch Ernst Mantel gedacht haben. Gut, er hat einen etwas größeren Freundeskreis. Und sein Sofa ist die Bühne in der Abtsgmünder Zehntscheuer. „Ernst Unernst“ –Spielbericht zu einem Heimspiel.

Ernst Mantel zeigt an, wo’s lang geht.

Ernst Mantel zeigt an, wo’s lang geht.

Anpfiff. Mit nur wenigen Minuten Verspätung beginnt das Spiel. Ernst Mantel, von Mitspielern gerne auch „schwäbischer Philosoph“ oder „Gewinner des baden-württembergischen Kleinkunstpreises 2009“ genannt, bläst zum ersten Angriff. „Dr Anfang“ heißt diese Spielvariante, in der auch Schluss und Qualität nicht zu kurz kommen. „Der Schluss ist das Ende von so vielem auf der Welt“, sinniert der Abtsgmünder Ernst Mantel. Dabei gehe es häufig doch nur darum, Eindruck zu schinden, „notfalls auch mit Tricks“, erklärt er und stimmt – mittels perfekter Technik – alleine einen mehrstimmigen Fangesang an.
Die Fans strömten heute in Massen in die Abtsgmünder Kleinkunstarena. Alle wollen ihr Idol sehen. Auch Ehrengäste, wie Ministerpräsident Oettinger (Mantel wunderbar nasal: „Qualität ist für mich nicht nur ein Schlagwort, sondern auch ein Stichwort und ein Fremdwort“). Star des Abends bleibt aber der vielseitig einsetzbare Spielmacher Mantel selbst. Mal über links, mal über rechts, meist ab durch die Mitte. Auch kurz vor der Halbzeit geht ihm noch nicht die Puste aus. Seine Finesse erklärt er sich selbst mit Weisheiten, wie sie nicht viele Spieler „bei aller Nüchternheit“ nach dem fünften Weizenbier noch wohl akzentuiert in die Kamera gesprochen hätten: „Vom Bauch her bin ich eben eher ein Kopfmensch“. Und da Fußballer gerne wild leben und schnelle Wagen fahren, leben sie auch gefährlich im „Rausch der Geschwindigkeit“, vor allem „nachts auf der Autobahn“. Geblitzt, gestoppt, „Babbadeggl weg“. Den braucht der geübte Spieler auf dem Platz zum Glück nicht. Und auch Anglizismen sind hier überflüssig. Deshalb will der Manager auch, dass seine Kids Cedric und Kimberly besser „gecoacht“ und Deutsch wieder mehr „supported“ wird. „Never win a changing dream“ – oder so ähnlich.
Die zweite Halbzeit beginnt, das Spiel bleibt erstklassig. Dafür sorgen schon die Liedermacher auf den Rängen. Die Singer-Songwriter, so wie Reinhard Mey. „Höret nun ein Stück aus dem Zyklus ‘Lieder direkt vom Erzeuger’“, trällert Mantel munter vom Rasen. Das gefällt auch dem Migranten-Fanblock. Nur der Ulmer Bülent hat den Wiederanpfiff verpasst. „Wo bleibt der bloß?“.
Zum Glück steht es nach 90 Minuten noch unentschieden. So bleibt noch genügend Zeit, denn das Spiel geht unter den Anfeuerungsrufen der heimischen Fans in die Verlängerung. Zwei mal 15 Minuten. Dann ist Schluss. Mantel hat gewonnen, dreht eine Ehrenrunde in der Fankurve. „Und die Moral von der Geschicht’? Das Ergebnis liegt mal wieder im Resultat“. Heimspiele unterliegen eben eigenen Gesetzen. Und Ernst spielt unernst in der Champions League.

  • Veröffentlichung:
    12.06.2009
  • Medium:
    Lokales, “Schwäbische Post”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski
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