Notenstapel im Blockflötenfeuer

„Brisk“ bläst zum 15. Geburtstag der Musikschule Habrom in Essingen alle Vorurteile weg

Amsterdam verbindet man nicht unbedingt mit Blockflöten. Dabei hat sich die niederländische Metropole spätestens seit Gründung des berühmt-berüchtigten „Amsterdam Loeki Stardust Quartets“ als besonders flöten-affin entpuppt. Kein Wunder also, dass auch Brisk ihre Ursprünge in der Stadt an der Amstel haben. Akribisch und übermütig blasen sie in der Essinger Quirinuskirche alle Klischees und Vorurteile über die angeblich langweilige Blockflöte fort.

Hat der Zuhörer erst einmal seine Vorurteile gegenüber Blockflöten abgelegt, eröffnet sich ihm eine klangliche Vielfalt, in die er sich getrost fallen lassen kann. Wenn etwas den Begriff „hochvirtuos“ verdient, dann Brisk. Barockmusik an Blockflöten – lebendig und lustig. Punktgenau, präzise mit einer nicht zu verbergenden Tendenz ins Perfektionistische. BRISK sind Marjan Banis, Saskia Coolen, Bert Honig und Alide Verheij. Mit ihrem Programm „Flamen in Venedig“ ehren die vier Musiker des „BRISK Recorder Quartets Amsterdam“ die wahre Kunst der Verzierung.
Vokale Klassiker von Adrian Willaert, Clément Janequin, Cipriano de Rore und anderen flämischen Komponisten wurden im Venedig des 16. Jahrhunderts gern als Basismaterial für neue Kompositionen verwendet und geradezu virtuos verziert. „Ars Diminuendi“ nennt sich diese Kunst. Brisk geht sogar noch einen Schritt weiter und spielt seine eigenen, verzierten Versionen nach historischen Vorbildern. Werke der Venezianer Andrea Gabrieli oder Francesco Bendusi erklingen hier neben Kompositionen ihrer flämischen Kollegen. Eine Mischung, die den Namen des Quartetts stilistisch widerspiegelt. „Brisk“ ist nämlich eigentlich eine Tempo- und Charakteranweisung aus der englischen Consort-Musik, zeugt von Lebendigkeit, von Wachsamkeit. Dazu gehört die Konfrontation von alter und neuer Musik, wie sie das Ensemble auch in Essingen zum Besten gibt. Auf einer Vielzahl von Blockflöten spielen die Niederländer neben Kompositionen aus der Renaissance und dem Barock auch ganz neue Stücke. Mal einstimmig, mal mehrstimmig – mal als Solo, dann wieder alle zusammen – im besten Fall mit bis zu acht Flöten gleichzeitig (wie beim finalen „Teamwork“ von Saskia Coolen). Zu ihrem eigenen Jubiläum ließen sie sich kürzlich von befreundeten Musikern neue Flötenstücke mit einer maximalen Länge von zwei Minuten schreiben. Ein paar davon bekommt man auch in Essingen zu hören. Willem Wander van Nieuwerks „Catch (an angel)“ zum Beispiel, ein Stück gespickt mit unzähligen Trillern, das Brisk auf Grund seiner hohen Geschwindigkeit enorme Fingerfertigkeit abverlangt. Bert Honig nimmt es mit Humor: „So viele Noten und soviel zu wenig Zeit“.

  • Veröffentlichung:
    16.06.2009
  • Medium:
    Kulturseite, “Schwäbische Post” + “Gmünder Tagespost”
  • Copyright
    by Heiko Buczinski
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