„In der Brühe liegt die Kraft“

Weltmusik und Folkrock-Polka mit „HISS“ im Café Podium

Von der Suppe zum Tango, vom Tod auf die Straße – Hauptsache am Ende geht’s „raus aus diesem Kaff“. Für die Polka-Folkrocker von „HISS“ ist kein Thema tabu, sind Grenzen da um übertreten zu werden. Die Künstler zeigen, was passiert, wenn Weltmusik auf Polka trifft.

„Zeugen des Verfalls“ heißt ihr aktuelles, inzwischen sechstes Album, das sie im Dezember 2008 veröffentlicht haben. „HISS“ begeben sich darin als Augen- und Ohrenzeugen des Verfalls auf musikalische Wanderschaft. Auf unzähligen Ausflügen um den Erdball, in die hintersten Winkel der Welt haben sie so manches aufgeschnappt, Melodien und Einheimischengebrabbel gelauscht, wirre Ideen gekapert und daraus neue Texte und Lieder gebastelt.
Eine Reise durch die Welt der Musik „vom Mississippi-Delta zu den Karpaten, von der Donau in die Sierra Madre“, wie sie selbst sagen. Die gesammelten Werke kunstvoll verpackt gibt’s nun im Café Podium. Frontmann Stefan Hiss kalauert: „Wir haben einen grau-braunen Strauß tieftrauriger Melodien vorbereitet, von denen das nächste Lied noch lange nicht das schlimmste ist“.
Ob Blues vom Balkan, Ethno-Swing, Tango aus Texas oder Ska aus der Quetsche – ihre Titel sind einzigartig. Unverkennbar klingt dabei stets der typische „HISS“-Sound, eine Mischung aus Folkrock und Polka, durch, vermischt sich mit den fremden Klängen. Die Konstanz ist es, die „HISS“ auszeichnet. Seit 1995 gibt es die Band. Nur minimal hat sich die Besetzung seither verändert. Ständig sind die Musiker on tour, spielen zwischen 80 und 100 Konzerte pro Jahr.
„Wir sind immer noch die Knappen der Minne, die Ritter der Liebe“, meint ein vor Sex-Appeal sprühender Stefan Hiss. Sex, Lust und Liebe gehören zu den Lieblingsthemen, die die Gruppe besingt. Die Lust am Leben, das Frivole, die Sünde. Oder auch Suppe, „denn in der Brühe liegt die Kraft“. Ironie begleitet sie vortrefflich durchs Programm. „Was für ein Talent!“, entfährt es Hiss, nach dem minutenlangen Solo seines Kollegen Michael Roth an der Mundharmonika, das Fernseh-“Supertalent“ Michael Hirte das Fürchten gelehrt hätte.
„Ihr solltet mal sein ‚Ave Maria’ hören“, stichelt Hiss. Seine Texte singt der Akkordeonspieler ganz weltmännisch mal Deutsch, mal Spanisch. Auch Englisch mischt er darunter. Spontane Tanzeinlagen im Publikum und lautstarker Applaus bescheren den Besuchern noch so manche Zugabe bis „HISS“ sich ausgepowert mit „Raus“ verabschieden.

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    07.01.2009
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    by Heiko Buczinski

Sieben Männer – alles live

Ein voller Erfolg: die Premiere von „Big T and the rubber souls“ im Café Magazine

Funk und Soul. Sieben Männer. Alles live. Das sind „Big T and the rubber souls“. Im Café Magazine verleihen die Künstler ihrer Liebe zur Musik beachtlichen Ausdruck. Mittendrin: ein Rückkehrer.

Verbreiteten auf hohem Niveau Stimmungswellen: „Big T and the rubber souls“ im Magazine.

Verbreiteten auf hohem Niveau Stimmungswellen: „Big T and the rubber souls“ im Magazine.

Er ist wieder hier, in seinem Revier – zumindest vorübergehend. Musik- und Event-Tausendsassa Timo Schaal feiert mit „Big T and the rubber souls“ Premiere in Aalen. Dabei sind auch die weiteren Band-Mitglieder alles andere als unbekannt: Axel Nagel an der Gitarre, Andreas Kemmer am Bass, Matthias Kehrle am Schlagzeug. Klaus Brosowski am Keyboard sowie das Bläser-Duo Norbert Botschek und Bernd Weingart (auch vollendeter Mundharmonikaspieler) komplettieren die Kapelle.
Die Kronleuchter im „Maga“ sind gedimmt. Alle Beleuchtungskörper im Raum sind auf die kleine Bühne zentriert. „Big T“ alias Timo Schaal schwitzt unter den heißen Strahlern. „Jetzt muss eben mein T-Shirt herhalten“, meint er und reibt sich den Schweiß aus dem Gesicht. Kein „Easy Listening“ wollen sie bieten, keine Coversongs zum Mitsingen trällern, sondern auf hohem Niveau Stimmungswellen verbreiten, verkünden die Musiker. „Er klingt wie ein Schwarzer“, kündigt Bernd Weingart „den Soul-Sänger Südwest- und Ost-Deutschlands“ an. Norbert Botschek lacht, singt los, schmückt die Musik mit seinem Saxofon aus. Frontmann Timo Schaal beweist wieder, dass er sich nicht nur aufs Plattenauflegen versteht, sondern auch selbst eine markante, wandelbare Stimme hat und diese einzusetzen weiß – mal kantig, mal etwas softer. Das Repertoire der Gruppe ist tiefgründig und sinnlich: „Harlem Shuffle“ von Bob & Earl, „Master Blaster“ von Stevie Wonder, „Gangster of Love“ von Johnny Watson. Selbst eine Elvis-Einlage hat Axel Nagel parat. Auf der Tanzfläche wird es eng und enger. Viele Musiker befreundeter Bands mischen sich unters Publikum. Die Aalener Premiere von „Big T and the rubber souls“ ist ein voller Erfolg.

  • Veröffentlichung:
    02.01.2009
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    Lokales, “Schwäbische Post”
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    by Heiko Buczinski

Mit Pop in den Heiligabend gleiten

Funk, Soul und Pop mit „Dielenfunk“ im Kulturcafé „Rambazamba“

Richtig gute Musik – die hat „Dielenfunk“ am Vorabend des Heiligabend im Aalener Kulturcafé „Rambazamba“ im Gepäck.

Bringen die Gäste im „Rambazamba“ schnell zum Tänzeln und zum Singen: „Dielenfunk“.

Bringen die Gäste im „Rambazamba“ schnell zum Tänzeln und zum Singen: „Dielenfunk“.

Ein bisschen zur vorweihnachtlichen Stimmung passt der erste gesungene Titel des Abends: Bill Withers „Lovely Day“ lässt auch den letzten Stress vergessen. „Dielenfunk“ präsentieren sich nach ihrer gelungenen Premiere zur Rambazamba-Eröffnung erneut in Form. Frecher Funk, tiefer Soul, versetzt mit poppigen Einlagen aus Hits der letzten paar Dekaden.
Im Zeichen Marvin Gayes besingen die acht Musiker die Sonnenseite des Lebens („Sunny“). Schnell sind die Gäste an der Stadtkirche auf Linie, tänzeln mit, bewegen selbst die Lippen. Ob zu Sades „Smooth Operator“ oder Faith No More mit „Easy“. Sänger Christian Steiner wirkt ein wenig erschöpft – kein Wunder ob der vielen Konzerte, die er in den letzten Wochen gegeben hat. Seine Ansagen sind entsprechend leicht verplant. Gleich zwei Mal vertut er sich im Titel.
Mitsängerin Natasha Young nimmt’s mit Humor und empfiehlt Steiner lachend eine Logistikschulung. Stimmlich ist der Musiker dennoch voll da, schmettert in seinem typischen Outfit – schwarzes Sakko, weißes Hemd – einen Song nach dem nächsten. Mit geschlossenen Augen setzt Elisa Ruz Campos dann selbst mit ein. Beeindruckend sind ihre Solo-Einsätze, perfekt ihre Interpretation von Erykah Badus „Apple Tree“. Gemeinsam singen die beiden Ladies „We are family“ von Sister Sledge und verleihen Justin Timberlakes „Senorita“ eine prickelnd feminine Note.
Für einen Moment ist der Raum in völlige Stille getaucht. „Deine Liebe ist mein König und ich kröne dich mit meinem Herz“, flüstert Elisa Ruz Campos leise ins Mikrofon bevor sie Sades „Your love is king“ anstimmt.

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    29.12.2008
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    by Heiko Buczinski

Das Dutzend ist voll

„Sax Machine“ Lee Mayall & Band feiern im Café Podium

Familienfest am zweiten Weihnachtsfeiertag: Die Familien Mayall und Wengenmayr grooven zum 12. Mal gemeinsam im Café Podium. Alles ist dabei wie immer: dieselben Songs, dieselben Showeinlagen, dieselbe ungehemmte Begeisterung beim Publikum.

Die Familien Mayall und Wengenmayr grooven zum 12. Mal gemeinsam im Café Podium.

Die Familien Mayall und Wengenmayr grooven zum 12. Mal gemeinsam im Café Podium.

Es ist nicht nur die Musik von Sue C. und Lee Mayall, James Robinson und Band, die die Besucher Jahr für Jahr an Weihnachten ins Alte Rathaus lockt. Es ist vielmehr das Gesamterlebnis, das das Ensemble den Gästen des Café Podium bietet. Tänze auf Tischen, Musik zum Mitsingen, ein Drummer (Günter Käszmann), der auf allem spielt, was auch nur die leiseste Resonanz verspricht – vom Pfeiler im Raum über leere Plastikflaschen bis zum Ausschanktresen.
Die „Sax Machine“ macht ihrem Namen alle Ehre. Wenn Lee Mayall nach einem minutenlangen Solo wieder einmal der Schweiß von der Stirn rinnt, muss das Publikum herhalten. James Robinson übernimmt dann die Rolle des MC: „We’re gonna party tonight, but I need your help“, ruft er den Gästen zu. Diese nehmen das Angebot nur zu gerne an. „Get up“, singt die Band. „Get on up“, kontert die Menge ganz im Sinne von Soul-Legende James Brown. Zum Familienfest gehört für Sue C. Mayall neben Papa Claus Wengenmayr am Keyboard und Bruder Stefan als Zugabenpianist auch Söhnchen Luca, der mit Ohrenschützern auf dem Kopf durch die Zuschauerreihen streift und zur Musik im Takt auf der Bühne mitklatscht.

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    29.12.2008
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Spektakulär und lecker

Weihnachtliche Musik mit „Spektakulatius“ im Café Magazine

„Spektakulatius“ klingt nicht nur spektakulär, sondern auch lecker. Was die swingende Combo nebst poppigen und rockigen Weihnachtsklassikern dem Publikum im ausverkauften Café Magazine serviert, stellt sich schnell als köstliches Menü heraus.

Ein köstliches musikalisches Weihnachtsmenü servierten „Spektakulatius“ im ausverkauften Café Magazine.

Ein köstliches musikalisches Weihnachtsmenü servierten „Spektakulatius“ im ausverkauften Café Magazine.

Humorig führen die Musiker durch ihr Programm. In schönem österreichischem Akzent kündigt Christian Steiner „Winter Wonderland“ an. Für die Fans des zuletzt glücklosen VfR, dem „Verein für Rentierfreunde“, singen Martina Fritz und Ralf Meiser „Jingle Bell Rock“.
Viel Applaus erntet Gastsängerin Aysun Idrizi von der MultiCultural Band der Schillerschule. Die Hitze im Raum wird drückend. „Spektakulatius“ machen Rast. Mit „I’ll be home for Christmas“ bläst Christian Bolz die Gruppe am Saxophon jazzig in die Pause.

  • Veröffentlichung:
    23.12.2008
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    Lokales, “Schwäbische Post”
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Hier kommt die Jazz-Polizei

Neu gegründetes „Ellwangen Jazz Orchestra“ präsentiert sich der Öffentlichkeit

Eine „Bereicherung für die Ellwanger Kulturlandschaft“ wird sie sein; da sind sich alle einig. Die im Oktober gegründete „Jazzinitiative Ellwangen“ hat jetzt sich und ihr Flaggschiff vorgestellt. Das „Ellwangen Jazz Orchestra“ – eine waschechte Swing Big Band – will dem Jazz zu mehr Resonanz verhelfen.

Alles hört auf sein Kommando: Franz Garlik leitet das neu gegründete „Ellwangen Jazz Orchestra“. In der VR-Bank in Ellwangen gab der imposante Klangkörper sein viel versprechendes Debüt.

Alles hört auf sein Kommando: Franz Garlik leitet das neu gegründete „Ellwangen Jazz Orchestra“. In der VR-Bank in Ellwangen gab der imposante Klangkörper sein viel versprechendes Debüt.

„Herzlich willkommen zu unserem Coming-Out“, begrüßt Thomas Bader die verdutzt dreinblickenden Gäste im Großen Sitzungssaal der VR-Bank Ellwangen. „Wir sind hier, um uns zu outen, uns der Öffentlichkeit vorzustellen“, schiebt er schnell nach. Seit vier Monaten bastelt der frisch gewählte Vorsitzende der Jazzinitiative am neuen Ensemble, hat Franz Garlik als Leiter gewonnen und mit seinen 20 Bandkollegen fleißig Unterstützer gesammelt. „Wir sind gespannt, was uns da heute geboten wird“, meint denn auch Christa Faiß, Vorstandssprecherin der VR-Bank Ellwangen. Ein gutes Datum hätten die Musiker für ihre Vorstellung gewählt, meint sie. Hat doch ebenfalls am 11. Dezember im Jahr 1877 eine Operngala in Wien zugunsten des Opernpensionsfonds stattgefunden – die Geburtsstunde des Opernballs.
Sein bemerkenswertes Debüt gibt das „Ellwangen Jazz Orchestra“ mit einem Titel von Count Basie: „Hay Burner“. Der swingende Song stammt vom Basie-Album „Straight Ahead“ – zu Deutsch: geradeaus. Die Marschrichtung ist also vorgegeben. „Wir wollen Spaß haben an der Musik. Und wir wollen, dass andere Spaß haben an unserer Musik“, verkündet Bader. Aber die Jazzinitiative will noch mehr. Bader: „Wir wollen den Jazz wieder in den Mittelpunkt rücken“. Über Jam Sessions könnten beispielsweise junge Leute zum Mitmachen animiert werden. Der Verein will Jazzmusik in Ellwangen fördern, Spielorte für Livemusik etablieren. Regionale Musiker stehen dabei im Fokus. Die Big Band vereint Instrumentalisten aus dem Ostalbkreis und strebt die Vernetzung der hier ansässigen Musiker an. Geprobt wird regelmäßig im Peutinger-Gymnasium. „In Ellwangen gibt es ein unwahrscheinliches Potenzial an Leuten, die künstlerisch tätig sind“, konstatiert Kulturamtsleiter Dr. Anselm Grupp und erinnert an die Gründung der Kulturinitiative „Sommer in der Stadt“ vor gut zehn Jahren. „Dieses Orchester wird eine Bereicherung für Ellwangen werden“.
Vier Titel hat die Big Band bisher im Repertoire. Auf die „Jazz Police“ folgt ein weiteres Mal Count Basie mit „Cute“. Für Oktober 2009 ist das erste große Konzert des „Ellwangen Jazz Orchestra“ geplant.

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    17.12.2008
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    Kulturseite, “Schwäbische Post” + “Gmünder Tagespost”
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Eine elementare Weite und die Sehnsucht

Die Kunstausstellung „Horizonte“ von Heidi Hahn im Essinger Rathaus ist noch bis zum 9. Januar zu besichtigen, Magie und Weite stehen im Zentrum

„Wonach schmeckt Melancholie?“, fragt Martina Ebel die Künstlerin in einem E-Mail-Interview. „Nach Herbst, nach Laub“, antwortet ihr Heidi Hahn und umschreibt die Farben, das Licht, Gefühle, die Melancholie zum Ausdruck bringen. Die Faszination des Lichts hat es ihr angetan. Besonders das Licht am Horizont. Ihre Bilder spiegeln Hoffnung und Aufbruch wider. Aber auch Sehnsucht.

Heidi Hahns Ausstellung „Horizonte“ im Essinger Rathaus weckt die Sehnsucht nach der Unendlichkeit.

Heidi Hahns Ausstellung „Horizonte“ im Essinger Rathaus weckt die Sehnsucht nach der Unendlichkeit.

Gitarrenklänge hallen durchs Essinger Rathaus-Foyer. Das Gitarrenensemble der Musikschule sitzt auf der ersten Empore und lässt das anfangs noch laute, stetig leiser werdende Gemurmel in dem knapp 20 Jahre alten Gemäuer durch sein zupfendes Spiel mit den Saiten schließlich in Gänze verstummen.
Die Protagonistin des Abends beobachtet die Musiker von weitem. Ganz in Schwarz ist sie gekleidet, verliert sich fast in der Menschenmenge. Auch die Musik verstummt nun. Auftritt zweier weiterer Akteure: Bürgermeister Wolfgang Hofer begrüßt die Besucher der Vernissage, Martina Ebel führt in die Ausstellung ein. „Ich bin immer wieder von der Vielseitigkeit der Kunst beeindruckt“, sagt Hofer. Sein Blick fällt dabei unweigerlich auf die neben ihm stehende Martina Ebel – hat sich diese doch von der Künstlerin eine große Stoffbahn gestalten lassen, aus der sie sich flugs ihr ganz persönliches Vernissage-Kleid mit Schärpe geschneidert hat.
Blau und grün leuchtet das, akzentuiert mit gelben und roten Sprenkeln. Farblich leitet sie damit bereits zu Heidi Hahns Bildern über. Hofer zeigt sich begeistert von Hahns Werken. Je nach Tageszeit, je nach Perspektive veränderten diese ihre Wirkung, beschreibt er seine Beobachtungen. Martina Ebel beschreitet für ihre Einführung neue Wege. Das Reden mag sie nicht so, lieber gestaltet sie selbst. Sie wolle daher auch „die Kunstkritik in den Stand der Künste erheben“, sagt sie und startet mit der medialen Aufarbeitung der „Horizonte“.
Auf die Melancholie kommt sie über Albrecht Dürer: „Ich stehe hier wie der Engel in Dürers ‚Melancholia’“. Bis ins Detail beschreibt sie das Bild – den Hund, die Dunkelheit, die Lebendigkeit und Wärme der abgebildeten Gegenstände. Und den Horizont. Über Caspar David Friedrichs „Wanderer über dem Nebelmeer“ findet Ebel den Weg zu Heidi Hahns Bildern
„Unvermittelt stehen wir vor ihr, vor einer Landschaft, einem Horizont“, sinniert sie.
Keine Gegenstände gäben Hinweis auf den Ort, die Gegend, den Kontinent, bemerkt sie und fragt kess: „Sind diese Landschaften von dieser Welt?“. Das E-Mail-Interview führte Ebel vorab mit Hahn. Nun lässt sie sich vom Publikum die Fragen stellen und verkörpert Heidi Hahn beim Antworten, kehrt das Innenleben der Künstlerin nach außen.
Über einen Beamer wirft sie ein weiteres Gespräch mit Hahn auf einen weißen Fächer, den sie geschickt vor ihrem eigenen Gesicht positioniert. Über Lautsprecher ertönen die Fragen: „Was verbindet Heidi Hahn mit verschiedenen Begriffen?“. Weite und Magie werden schnell als zentrale Elemente der Hahn’schen Kunst ausgemacht. Davon zeugen auch ihre Bilder. Impressionistische Landschaften, Lichtstrahlen, Wasser – von unten wie von oben. Öl und Acryl. Die Motive bieten Raum für Träumereien. Abstrakt. Heidi Hahns „Horizonte“ lösen Empfindungen aus. Endlos und weit.

  • Veröffentlichung:
    04.12.2008
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    Kulturseite, “Schwäbische Post” + „Gmünder Tagespost“
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Was von 1800 bis heute schwelt

Projektgruppe des THG widmet sich im Kulturcafé dem „Brennpunkt Nahost“

„Bei jedem Konflikt ist Emotion im Spiel.“ So eröffnete Norbert Locher, Verbindungslehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium den Abend zum Thema „Brennpunkt Nahost“. Eine Projektgruppe unter seiner Regie hatte untersucht, wie es zu der prekären Situation im Nahen Osten kommen konnte. Mit einer Präsentation zeigten die Schüler eindrucksvoll, was passiert, wenn Irrationalität überhand nimmt.

Dem Publikum präsentierte das Projekt-Team seine Recherchen medial aufbereitet im Kulturcafé des Theodor-Heuss-Gymnasiums.

Dem Publikum präsentierte das Projekt-Team seine Recherchen medial aufbereitet im Kulturcafé des Theodor-Heuss-Gymnasiums.

Während der Projektwoche zum Ende des Schuljahrs 2007/2008 hatten sich Schüler am THG mit dem Nahen Osten beschäftigt. Vom Thema angetan und neugierig, ob der tieferen Hintergründe, entwickelte sich daraus eine Projektgruppe aus vier Schülern, die zu den Ursachen für den seit Generationen offen ausgetragenen Nahost-Konflikt recherchierte. Viele Stunden verbrachte das Team mit der Aufbereitung der Ergebnisse. Im THG-Kulturcafé präsentierten Manolya Yeniocak, Ibrahim Basaran, Stefan Strobel und Gabriel Garreis nun ihre Nachforschungen.
Schnell hätten sie erkannt, dass die Vorgeschichte des Konflikts bis ins ausklingende 19. Jahrhundert zurückreiche – in die Zeit des Zionismus, der jüdischen Nationalbewegung, die sich in Folge des Antisemitismus in Europa gründete und politisch organisierte. Deren Ziel: ein eigener Staat für das jüdische Volk.
Die erste Einwanderungswelle der Juden nach Palästina habe ihren Lauf genommen, berichteten die Schüler weiter. Nach anfänglich friedlicher Koexistenz zwischen Juden und Arabern sei durch die nach dem britischen Außenminister Arthur James Balfour – Großbritannien war damals Weltmacht – benannte Balfour-Deklaration jedoch Konfliktpotenzial geschürt worden. Hier liege eine der Hauptursachen für die bis heute reichende Auseinandersetzung, formulierte die Projektgruppe.
Balfours Deklaration habe unvereinbare Versprechen parallel umzusetzen versucht, erklärten sie. Anstatt den schwelenden Konflikt zu lösen, habe Balfour diesen weiter angefeuert. Mit Bildern und Einspielern aus Dokumentationen sowie Kurzinterviews untermalten die Schüler den weiteren Verlauf der Nahost-Geschichte bis heute.
Eindrucksvoll zeigten sie den zahlreichen Besuchern die Veränderungsprozesse der Region auf, verdeutlichten die jeweils unterschiedlichen Interessen.
In kurzen Porträts stellten sie die verschiedenen heute noch beteiligten Gruppierungen des Nahen Ostens vor: die Palästinenser mit der liberalen Fatah und der radikal-islamischen Hamas; die Ultra-Orthodoxen; das versöhnungsbereite, aufgeklärte Bürgertum; die Palästinenser mit israelischer Staatsangehörigkeit; und die radikalen Siedler, mit denen jeglicher rationaler Dialog unmöglich sei, da sie auf Grund ihrer religiösen Einstellung einen Staate Israel gänzlich ablehnten. „Das geht einfach nicht zusammen“, resümmierte Norbert Locher.
Passend zum Thema stellte Leonie Franke das Buch „Leihst du mir deinen Blick?“ von Valérie Zenatti vor. Eine abschließende Diskussionsrunde zwischen Besuchern und Projektteam beschäftigte sich noch einmal mit den politischen und religiösen Ursachen des Konflikts.

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    26.11.2008
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    Lokales, “Schwäbische Post”
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Annäherung nach Kulturschock

Finissage zur Hochschul-Ausstellung von Monika Hoffer im Ostalbklinikum

„Wir sind in der Mitte Europas und China ist das Land der Mitte“. Da sei es wichtig miteinander zu arbeiten und sich nicht gegeneinander auszuspielen, resümierte Prof. Dr. Ekbert Hering am Ende der Podiumsdiskussion zu China. Gemeinsam mit anderen Vertretern aus Wirtschaft, Kultur und Bildung gründete er bei der Finissage zu Monika Hoffers Ausstellung den Aalener China-Business-Club.

china-business-club_buczinski_2008

Chinesischer Abend im Ostabklinikum, in der Mitte der frühere Hochschulrektor Prof. Dr. Ekbert Hering. Dabei wurden Erfahrungen mit dem Austausch zwischen China und Deutschland berichtet und diskutiert.

„Wir nutzen die Kunst heute als Aufhänger um noch viel mehr zu erfahren als bloß Malerei“, führte Hering die Besucher der Finissage in den „chinesischen Abend“ ein. Die Künstlerin selbst erläuterte noch einmal das Konzept ihrer Ausstellung im Ostalbklinikum unter dem Motto „Zur Mitte finden – traditionelle chinesische Malerei“.
Die Ausstellung sollte Europäern China, das Land der Mitte, näher bringen und ihnen helfen ihre eigene Mitte zu finden. Die Unterkochenerin Yang Man begleitete den Abend am Akkordeon musikalisch mit Liedern aus China, vermittelte den Besuchern durch ihre Geschichten einen Eindruck von der kulturellen Vielfalt und musischen Lebendigkeit des Riesenstaats.
Um kulturellen Austausch und China-Erfahrungen ging es bei der von Prof. Dr. Ekbert Hering geleiteten Podiumsdiskussion. Rechtsanwalt Klaus Huber, ein Experte für Rechtsfragen in China und selbst Inhaber einer chinesischen Kerzenfabrik mit 600 Mitarbeitern, lobte China für sein „weites Spektrum für Unternehmertum“.
Insbesondere für Mittelständler böten sich dort sehr gute Möglichkeiten. Oliver Herkommer, Geschäftsführer von Ingenics aus Ulm, die sich auf Projektierung und Bau von Fabriken in China spezialisiert haben, sah das etwas kritischer: „Wir sind in China nicht mehr weit weg von deutschen Gehältern für unsere Top-Leute“. Mehr Effizienz und Qualität hält er daher auch in China auf Dauer für unausweichlich. Als Problem stelle sich dabei oft die chinesische Mentalität heraus: „Die Chinesen müssen erst lernen, dass es Dienstleistungen gibt“.
Gerade frisch zurück aus China beschrieb Marco Seume, Student an der Hochschule Aalen, seine Eindrücke während seines Auslandssemesters an der Partnerhochschule in Shenyang. Beeindruckt war er von der „hervorragenden Ausstattung“ der Technischen Universität in Shenyang. Der derzeit an der Hochschule Aalen als Gastwissenschaftler arbeitende Dr. Wang Lei von der Ligong University in Shenyang zeigte den Gästen anhand an Beispielen die kulturellen und gesellschaftlichen Unterschiede Deutschlands und Chinas auf.
In Deutschland beobachte er beispielsweise, dass Gesetze meist vor Moral gewichtet würden. Gefühle spielten eine untergeordnete Rolle. Das sei in China genau umgekehrt: Gefühle vor Moral und Gesetzen.

Familienzeit ab 20 Uhr
Den Kulturschock in die andere Richtung erlebte Alexander Grohmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Aalen, als er für neun Monate bei einer chinesischen Gastfamilie wohnte. Insbesondere die tägliche „Familienzeit“ ab 20 Uhr war für ihn gewöhnungsbedürftig. Bei der offenen Diskussionsrunde mit dem Publikum berichteten lokale Unternehmer sowie Geschäftsführer und in Deutschland lebende Asiaten von ihren Erfahrungen im jeweils anderen Land. Um die wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Verbindungen nach China zu festigen, gründeten die Teilnehmer den „Aalener China-Business-Club“ als Basis für fortdauerndes Netzwerken.

  • Veröffentlichung:
    21.11.2008
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    Lokales, “Schwäbische Post”
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Kommunizierende Künstlerseelen

Poetische Lesung von Tamara Ralis mit meditativer Musik von Alfred Bast in der Zehntscheuer Abtsgmünd

„Werkfreundschaft ist das, was uns beide verbindet“, sinniert Alfred Bast bei der Einführung zu Tamara Ralis’ poetischer Lesung. „Künstler, die über ihr Werk kommunizieren, Telepathie“. Den musikalisch-dichterischen Abend in der Abtsgmünder Zehntscheuer haben die beiden Kreativen pragmatisch treffend betitelt: „Werkfreundschaften“.

Seine Werke hängen an den Wänden der Zehntscheuer. „Zeichen der Natur“ heißt die beeindruckende Bilderschau. Es ist bereits die dritte Ausstellung von Alfred Bast an dieser Stelle. Ein Heimspiel. Werkfreundschaft beschreibe den Umstand, dass viele Künstler sich nur über ihre Werke kennen beziehungsweise kennen lernten, erklärt Bast. Kunst als Türöffner in verwandte Seelen. „Künstler, die sich nur über ihre Arbeiten kennen, sind offen für Impulse und Ideen“, so Bast weiter. Werkfreundschaft etikettiere die Kommunikation zwischen Menschen und Geistern.
Ein geistiges Netzwerk, dessen sich auch Bast und Tamara Ralis bedienen. Die Münchenerin Ralis ist selbst Künstlerin, Schauspielerin, Dichterin. Ihrer engen Verbundenheit zu Alfred Bast und seinen Werken verleiht sie heuer lesend Ausdruck. Sie präsentiert eigene Gedichte, selbst erlebte Geschichten. Ihre Texte reflektieren dabei die Kunst; von ihrer Entstehung im Kopf bis zur Begutachtung des fertigen Werks. „Das unruhige Gehirn spaziert in sich und findet doch keinen Weg“. Nicht nur Prozesse, auch Gefühle sind ihr wichtig: „Wir leben in einer ständigen Spannung, weil wir aus allem etwas machen wollen“. Ralis beschreibt Raum, Perspektive und Form. Auch die Angst vor dem Formlosen kommt zum Ausdruck: „Der Zustand war wehrlos“.
Wie in der bildenden Kunst sind auch in Ralis’ Gedichten ständig wiederkehrende Symbole ein elementarer Bestandteil: das Licht, der Strahl, die Treppe, die Gestalt, die Linie… Die Postmoderne hat es ihr angetan. Der Mensch selbst wird dabei zum bloßen Teil einer Kulisse. Ralis findet: „Alle Dinge sind schön, wenn sie durchweht werden“. Und doch kritisiert sie den heutigen architektonischen Entstehungsprozess von Städten. Gebäude bestünden schließlich viel länger als Menschen. Bald erliegen die Besucher ihrer meditativen Stimm- und Tonlage.
Diesen Vorgang unterstützend, spielt Alfred Bast auf seiner Ummadigga. Leise. Laut. In verschiedenen Geschwindigkeiten. Dann wechselt er ans Monochord, versetzt die Gäste durch beruhigende Schwingungen in einen tranceähnlichen Zustand. Gänsehaut. Selbst das sanfte Surren der Lüftungsanlage wirkt nun störend. Kunst sehen. Kunst hören. Kunst fühlen. Tamara Ralis: „Eine Idee streift mich und ich versuche sie durch ein Bild zu vergegenwärtigen“. Künstlerseelen kommunizieren.

  • Veröffentlichung:
    21.11.2008
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    Kulturseite, “Schwäbische Post” + “Gmünder Tagespost”
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    by Heiko Buczinski